Österreich darf Deutschlands Fehler in der Pensionspolitik nicht kopieren

Deutschland zeigt, wohin eine rein fiskalisch gedachte Pensionspolitik führen kann: Wenn soziale Absicherung hinter Budgetlogik zurücktritt und private Vorsorge staatliche Systeme ersetzen soll, wird es teuer. Österreich sollte diese Entwicklung als Warnsignal verstehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Österreich sollte Deutschlands Fehler vermeiden: niedrigere staatliche Pensionen, teure private Vorsorge und steigende Altersarmut nicht kopieren
  • Das österreichische Pensionssystem ist stabil und leistungsstark mit 86,8 Prozent Nettoersatzrate und deutlich höheren Pensionen als in Deutschland
  • Neoliberale Forderungen nach höherem Pensionsantrittsalter und Privatisierung sind abzulehnen

Die Debatten rund um die Alterssicherung reißen nicht ab. Während neoliberale Stimmen auch in Österreich immer wieder Leistungskürzungen oder ein höheres Pensionsantrittsalter fordern, lohnt sich ein fundierter Blick über die Grenze. Ein Blick nach Deutschland zeigt deutlich, welche Folgen eine rein budgetorientierte Rentenpolitik haben kann: sinkendes Vertrauen in die staatliche Pension, wachsender Druck zu privater Vorsorge und zunehmende Altersarmut.

Senkung der Rente in Deutschland als Warnsignal

Als Reaktion auf wirtschaftliche Herausforderungen und geringere Einnahmen in den 1990er-Jahren wurde das Leistungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung schrittweise abgesenkt. Ein Beispiel ist die Reduktion der Beitragssätze – sie lagen Ende der 1990er-Jahre noch bei über 20 Prozent und betragen heute nur noch 18,6 Prozent.

Diese Senkung der Beiträge führte nicht zu einer Entlastung der Beschäftigten, sondern vor allem zu einem niedrigeren Rentenniveau. Arbeitnehmer:innen zahlen doppelt drauf: Sie erhalten weniger staatliche Absicherung und werden gleichzeitig dazu gedrängt, privat vorzusorgen, um im Alter nicht von Armut betroffen zu sein. Die private Vorsorge verursacht hohe Kosten, bringt oft unzureichende Renditen und lässt vor allem jene Menschen im Stich, die ohnehin nur über geringe Einkommen verfügen. Statt Sicherheit zu schaffen, hat die Verlagerung auf private Vorsorge die soziale Unsicherheit vieler Menschen weiter verschärft.

Alterssicherungskommission in Deutschland entscheidend

Zwar brachten eine gute konjunkturelle Lage ab 2013 vereinzelte Verbesserungen – wie die Ausweitung von Kindererziehungszeiten und eine vorübergehende Stabilisierung des Rentenniveaus bis 2025, welches aktuell die Haltelinie von 48 Prozent nicht unterschreiten darf – doch das Fundament bleibt brüchig. Momentan ist in Deutschland eine Alterssicherungskommission eingesetzt, deren Vorschläge für eine erneute Rentenreform bis Mitte des Jahres erwartet werden.

Toumaj Faragheh

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