Meinl-Reisinger will Pension erst mit 67 – klares Nein vom ÖGB

Im ORF-Sommergespräch fordert NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters. Aus Sicht des ÖGB ist diese Forderung als Angriff auf die Arbeitnehmer:innen zu werten und damit klar abzulehnen. Bei anderen Themen gibt es zwischen NEOS und Gewerkschaft hingegen Schnittmengen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Meinl-Reisinger will das gesetzliche Pensionsalter ab 2030 schrittweise auf 67 Jahre erhöhen.
  • Aus Sicht des ÖGB ist dies ein Angriff auf die Arbeitnehmer:innen. Viele schaffen es schon heute nicht gesund bis zum gesetzlichen Pensionsalter.
  • Statt Menschen pauschal länger arbeiten zu lassen, müssen ältere Beschäftigte echte Jobchancen bekommen und Arbeitsplätze altersgerecht gestaltet werden.
  • Bei Kinderbetreuung, Care-Arbeit und einer gerechteren Aufteilung der Betreuung gibt es Überschneidungen mit ÖGB-Positionen.

Für Arbeitnehmer:innen war es die wohl wichtigste Aussage des Sommergesprächs: Beate Meinl-Reisinger will das gesetzliche Pensionsalter schrittweise auf 67 Jahre erhöhen. Damit vertritt die NEOS-Chefin bei einer zentralen sozialpolitischen Frage eine Position, die jener des ÖGB klar widerspricht. Bei Kinderbetreuung, Care-Arbeit und Bildung liegen die Positionen teilweise näher beieinander.

Meinl-Reisinger fordert ein Pensionsalter von 67 Jahren

„Das Pensionsantrittsalter sollte schrittweise […] auf 67 erhöht werden“, sagte Meinl-Reisinger im ORF-Sommergespräch 2026. Beginnen soll die Anhebung nach ihrem Vorschlag ab 2030. Als Begründung verweist sie vor allem auf die steigende Lebenserwartung und die langfristige Finanzierung des Pensionssystems. Außerdem fordert sie einen Allparteiengipfel zur Pensionsreform.

Aus gewerkschaftlicher Sicht greift diese Argumentation allerdings zu kurz. Denn die entscheidende Frage für Arbeitnehmer:innen lautet nicht, wie alt Menschen werden, sondern, ob sie überhaupt – gesund – bis 65 arbeiten können.

Genau daran, also an der Realität vieler Beschäftigter, scheitert die NEOS-Forderung nach einem höheren gesetzlichen Pensionsalter.

Zwei Jahre länger arbeiten – aber wo?

Schon heute gehen viele Menschen nicht direkt aus einem aufrechten Arbeitsverhältnis in Pension. Bereits jede vierte Person war vor dem Pensionsantritt im Krankenstand oder in Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig beschäftigen 30 Prozent der mittleren und großen Betriebe in Österreich keinen einzigen Menschen ab 60 Jahren.

Das macht den zentralen Widerspruch deutlich: Von Beschäftigten länger zu arbeiten zu verlangen, während ein beträchtlicher Teil der Unternehmen ältere Menschen gar nicht beschäftigt, löst kein Problem.

Statt das gesetzliche Pensionsalter anzuheben, braucht es aus Sicht des ÖGB Arbeitsplätze, an denen Menschen überhaupt gesund bis zur Pension arbeiten können: altersgerechte Arbeitsbedingungen, Weiterbildung, flexible Arbeitszeitmodelle und echte Beschäftigungschancen für Menschen über 55.

Redaktion 17. August 2026

Mehr dazu: Nein zur Pension mit 70 – warum eine Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters der falsche Weg ist

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