Tourismus in Österreich: Wie viel ist zu viel?
Tourismus ist ein zentraler Pfeiler der österreichischen Volkswirtschaft. Welche Arbeitsbedingungen die Beschäftigten in der Branche in Kauf nehmen und wie die Klimakrise den Sektor verändert, wissen die Tourismusexpert:innen Eva Eberhart und Robert Steiger.

Der Tourismus bringt Österreich jährlich viele Einnahmen und Gäst:innen ins Land, aber auch immense Probleme mit sich – für die Umwelt und die Arbeitnehmer:innen in der Branche. Eva Eberhart und Robert Steiger wissen Bescheid: Während Eberhart als Präsidiumsmitglied der Gewerkschaftvida und Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus vor allem die Beschäftigten im Blick hat, legt der an der Universität Innsbruck forschende Steiger den Fokus auf die Entwicklung des Tourismus, vor allem in Anbetracht des Klimawandels.
Arbeit&Wirtschaft: Die Sommersaison startet. Tourismus ist wichtig für die österreichische Volkswirtschaft, aber auch eine Belastung für Umwelt, Einheimische und die Beschäftigten in der Branche. Wie viel Tourismus muss sein?
Eva Eberhart: Das Phänomen Massentourismus betrifft in erster Linie Länder im Süden, wie etwa Spanien, aber auch hier in Österreich bemerken wir es, zum Beispiel in Salzburg oder Hallstatt. Am Anfang steht die Frage: Ab wann ist Tourismus „Overtourism“, also ab wann ist es zu viel? Während der Corona-Lockdowns konnte man einige Städte in Österreich zum ersten Mal ohne Tausende von Tourist:innen, überlastete Mitarbeiter:innen und das immense Verkehrsaufkommen sehen. Vor allem im Wintertourismus, wo Österreich ebenfalls Spitzen erlebt, werden wir in den kommenden Jahren wegen des Klimawandels auf neue Konzepte angewiesen sein.
Robert Steiger: „Overtourism“ muss man aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten: aus jener der Tourist:innen selbst, der Einheimischen und der Arbeitnehmer:innen. Es ist schwer bis unmöglich, hier wirklich akzeptable Grenzen zu definieren. Das hängt stark vom jeweiligen Ort und von der Art der Gäst:innen ab. Tourismus ist immer eine Managementfrage. Wie viel öffentlichen Raum nehmen die Gäst:innen ein? Am Beispiel Hallstatt sieht man gut, dass das zentrale Problem das Eindringen in die Privatsphäre ist.
Den Verantwortlichen in Hallstatt sind teils auch die Hände gebunden. Gibt es internationale Vorbilder, die Massentourismus gut bewältigen und steuern?
Eberhart: Mit Blick ins Ausland ist die entscheidende Frage, inwieweit sich das managen lässt. In Barcelona haben die Leute gestreikt und große Demonstrationen veranstaltet. Auch in Orten wie Kitzbühel können sich die Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie teilweise keine Wohnung an ihrem Arbeitsort leisten, und auch die Preise in den Supermärkten sind extrem hoch. Massentouristische Gegenden sind teilweise kaum noch bewohnbar.
Sarah Kleiner und Richard Solder
21.Juli 2026
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