10 Jahre Brexit: „Für die meisten Briten hat sich der Austritt nicht gelohnt“

Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum im Jahr 2016 fällt die Bilanz ernüchternd aus:

Die Folgen für Großbritanniens Wirtschaft waren negativ.

Im Interview erklärt Jan Eichhorn, Politikwissenschaftler und Experte für britische Politik,warum der Brexit für viele Brit:innen keine Erfolgsgeschichte ist.

Die Versprechen der Leave-Kampagne – mehr Wohlstand, mehr Kontrolle, bessere Chancen für Unternehmen – haben sich nicht erfüllt. Stattdessen gab es mehr Handelshemmnisse, höhere Kosten, schwächeres Wachstum und Probleme bei Arbeitsmigration, Forschung und Universitäten. Besonders betroffen sind Landwirtschaft, Lebensmittelhandel, Pflege, Gastronomie und Hochschulen. Eichhorn zeigt auch, warum manche dennoch am Brexit festhalten: wegen Souveränität, Migration und nationalistischen Erzählungen.

Inhalt

Folgen des Brexit: Großbritannien wurde wirtschaftlich nicht stärker

Das Wohlstandsversprechen der Leave-Kampagne hat sich nicht erfüllt

Mehr Bürokratie, höhere Kosten: Der Handel mit der EU ist schwieriger geworden

Landwirtschaft, Lebensmittel und Fischerei spüren den Brexit besonders stark

Auch im Alltag sind die neuen Grenzen spürbar

Weniger EU-Arbeitskräfte, mehr Probleme in Pflege und Gastronomie

Für Universitäten und Forschung war der Brexit ein harter Einschnitt

Viele Spitzenforscher:innen haben Großbritannien verlassen

Die Mehrheit der Brit:innen sieht den Brexit heute als Fehler

Am Ende zählten Souveränität und Migration stärker als wirtschaftliche Argumente

Folgen des Brexit: Großbritannien wurde wirtschaftlich nicht stärker

Kontrast: Wenn Sie die wirtschaftliche Entwicklung Großbritanniens seit dem Brexit  betrachten: Wo sehen Sie die deutlichsten messbaren Folgen – etwa beim Wirtschaftswachstum, bei Investitionen, der Produktivität und Realeinkommen?

Jan Eichhorn: Die wirtschaftlichen Folgen des Brexit sind für Großbritannien insgesamt negativ – in vielerlei Hinsicht. Gleichzeitig ist es nicht immer leicht, einzelne negative Entwicklungen nur auf den Brexit zurückzuführen. Denn auch die Covid-Pandemie und der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine haben Probleme ausgelöst, die nicht nur Großbritannien, sondern auch andere europäische Länder betreffen.

Einige der großen Schwierigkeiten, die Großbritannien heute hat, sind außerdem nicht neu. Schon vor dem Brexit wurde in manchen Bereichen zu wenig investiert. Dazu kam eine jahrelange Austeritätspolitik, die viele Menschen im Alltag gespürt haben.

Der Brexit ist also nicht das einzige Problem Großbritanniens. Es gibt aber einige Folgen, die sich klar auf den Brexit zurückführen lassen – und die tatsächlich neue Schwierigkeiten geschaffen haben.

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