Wenn das Wasser knapp wird
Aufgrund von immer längeren Trockenperioden wird das Grundwasser knapp. Doch wer verbraucht eigentlich am meisten Wasser? Die Antwort darauf zu finden, ist gar nicht so einfach. Am 22. März wird in vielen Ländern der Erde der Weltwassertag begangen.

Grund genug, sich einmal zu fragen: Wie steht es eigentlich um die Wasserversorgung in Österreich? Auch Österreich ist, trotz vieler Seen und Flüsse, von Klimakrise, Starkregen und Dürren betroffen. Doch darüber, wer wie viel Wasser verbraucht, gibt es in Österreich bislang zu wenig verlässliches Datenmaterial, kritisiert die Gewerkschaft younion in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien sowie der Umwelt-NGO Greenpeace.
Warum die Wasserversorgung mehr Aufmerksamkeit verdient, erklärt Roman Neunteufel. Er ist Senior Scientist am Institut für Siedlungswasserbau, Industriewasserwirtschaft und Gewässerschutz an der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien. Über Wasser wird seiner Meinung nach in der Öffentlichkeit zu wenig diskutiert. Dabei ist die Wasserversorgung eine kritische Infrastruktur.
Im Jahr 2021 veröffentlichte das Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus eine Studie mit dem Titel „Wasserschatz Österreich“. Darin erstellten sie Prognosen, wie sich der Wasserverbrauch im Land bis zum Jahr 2050 entwickeln könnte. Neunteufel war an der Erstellung der Studie beteiligt.
Trockenheit und Starkregen
Ein wesentlicher Punkt darin: Grundwasser ist in Österreich sehr unterschiedlich verteilt. „Vor allem in den niederschlagsärmeren Gebieten liegen Grundwasserressourcen erheblich unter dem österreichweiten Durchschnitt“, sagt Neunteufel. Darüber hinaus sei die Gewinnbarkeit des Grundwassers eingeschränkt und sehr aufwändig, heißt es in dem Bericht.
Auch der aktuelle Wasserhaushaltsbericht des Klima- und Umweltschutzministeriums unterstreicht den wachsenden Handlungsbedarf. Rund 50 Prozent der österreichischen Messstellen würden demnach geringe bis sehr geringe Grundwasserstände aufweisen. Bereits 2022 und 2023 wurden in einigen Orten Rekordtiefststände im 100-Jahres-Vergleich gemessen. „Neben der Trockenheit ist auch Starkregen ein großes Problem“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Wasserexperte bei Greenpeace. „Er wird vom Boden nicht so gut aufgenommen.“
Osten braucht viel Wasser
Sehr unterschiedlich verteilt ist auch der Wasserverbrauch in den verschiedenen Bundesländern. So liegen laut der Studie aus 2021 90 Prozent der Flächen, die bewässert werden müssen, im Osten Österreichs. Das sind landwirtschaftliche Flächen, die ihren Wasserbedarf großteils aus dem Grundwasser decken. Die Wasserentnahme durch die Industrie mache hingegen 70 Prozent des gesamten Wasserbedarfs in Österreich aus. Davon werden 84 Prozent aus Fließgewässern entnommen, 15 Prozent aus Brunnen und 1 Prozent aus Quellen. Die Entnahme aus Fließgewässern wie Flüssen oder Bächen sei dabei anders zu bewerten als die Grundwasserentnahme, sagt Neunteufel. Denn viele Industriebetriebe würden das Wasser nach der Nutzung wieder rückleiten.
Trinkwasser hat Vorrang
Eine Allianz aus der Umweltorganisation Greenpeace, der Arbeiterkammer Wien und der Gewerkschaft younion sieht Handlungsbedarf, um den bedingungslosen Vorrang für Trinkwasser gegenüber der Industrie oder der Landwirtschaft zu sichern. Für den Krisenfall fehlen allerdings konkrete Regeln: Bei Wasserknappheit entscheiden Bürgermeister:innen über die Verteilung, tragen dabei jedoch die Haftung für wirtschaftliche Schäden, etwa wenn Landwirtschaft oder Industrie zugunsten der Trinkwasserversorgung eingeschränkt werden. „Wir brauchen eine nationale Wasserstrategie, klare Prioritäten für Krisenzeiten und volle Transparenz beim Wasserverbrauch. Klar muss sein: Trinkwasser hat immer Vorrang vor allen anderen Nutzungen“, so Iris Strutzmann, Referentin in der Abteilung Klima, Umwelt und Verkehr von der Arbeiterkammer Wien, in einer Aussendung.
Christian Bunke
Weiterlesen Wenn das Wasser knapp wird – Arbeit&Wirtschaft