Wenn Ausbildung gelingt
Eine gute Lehre eröffnet jungen Menschen viele Wege. Doch damit das gelingt,
braucht es klare Regeln und Betriebe, die Ausbildung ernst nehmen.

Wer gut ausgebildet wird, kann Karriere machen – vom Lehrling bis zum Meister. Als Marco seine Lehre beginnt, weiß er: Das ist seine Chance. Er will seinen Beruf von Grund auf lernen, gut werden in dem, was er macht. Im Betrieb bekommt er klare Anleitungen. Sein Ausbildner nimmt sich Zeit. Fehler machen darf er, Fragen stellen sowieso. Schritt für Schritt wächst er in seine Aufgaben hinein. „So entsteht Selbstvertrauen, Können, und so entstehen Karrieren“, sagt Laura Zandonella, stv. Bundesjugend-vorsitzende des ÖGB.
Investition in die Zukunft
Eine gute Lehre ist ein starkes Fundament, sie eröffnet Möglichkeiten – von der Facharbeiterin bis zur Meisterprüfung, vom Spezialisten zur Führungskraft. Viele Wege stehen offen, wenn die Ausbildung stimmt.
Was es dafür braucht, ist kein Geheimnis: Betriebe, die Verantwortung übernehmen. Zeit zum Lernen. Aufgaben, die wirklich zum Berufsbild passen, Respekt im Umgang.
Stimmen aus der Lehre
Diese Originalzitate aus dem Lehrlingsmonitor zeigen, welche Aufgaben Lehrlinge oft übernehmen müssen, obwohl sie nicht Teil der Ausbildung sind.
„Schuhe putzen vom Chef“
LEHRLING, ZAHNÄRZTLICHE FACHASSISTENZ
„Für den Chef einkaufen gehen“
LEHRLING, GROSSHANDELSKAUFMANN/-FRAU
„Für die Schichtarbeiter Jause holen, Putzmaschine fahren, zusammenkehren“
LEHRLING, PAPIERTECHNIK
Befragt wurden mehr als 6.000 Lehrlinge.
Mehr Zitate und alle Ergebnisse des ÖGB/AK-Lehrlingsmonitors:
oegb.at/lehrlingsmonitor
Zwischen Anspruch und Realität
Doch eine gute Ausbildung hängt noch immer stark vom einzelnen Betrieb ab. Der neue Lehrlingsmonitor von ÖGB und AK zeigt: Rund zwei von drei Lehrlingen arbeiten unter schlechten oder sehr schlechten Bedingungen. Viele wurden im Betrieb schon schlecht behandelt oder müssen regelmäßig Tätigkeiten erledigen, die nichts mit ihrer Ausbildung zu tun haben.
„Gute Ausbildung ist kein Privileg, sie ist ein Recht – und darf nicht vom Zufall abhängen“, betont Zandonella. Genau deshalb sagt der ÖGB ganz klar: Es braucht verbindliche Qualitätsstandards, wirksame Kontrollen und einen Ausbildungsfonds. „Betriebe, die könnten, aber nicht ausbilden, sollen in diesen einzahlen. Und jene, die gut ausbilden, sollen unterstützt werden“, fordert die Gewerkschafterin.
Es liegt nicht an den Jugendlichen
Seit Jahren heißt es aus der Wirtschaft, man finde keine Lehrlinge. Aber gleichzeitig bilden immer weniger Betriebe aus. Die Zahl der Lehrstellen ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken, und das, obwohl Tausende junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen. „Das Problem sind nicht die Jugendlichen, sondern jene Betriebe, die ihrer Verantwortung nicht nachkommen“, betont Zandonella.
Eines ist klar: Wer heute nicht ausbildet oder schlechte Bedingungen bietet, darf morgen nicht über fehlende Fachkräfte klagen.
Solidarität 17