Soziale Kontakte auf Rezept:

Pilotprojekt gegen Stress und Einsamkeit hilft Patient:innen und entlastet Hausärzt:innen. Jeder fünfte Besuch beim Hausarzt lässt sich auf eine psychische Belastung zurückführen. Das verursacht neben Kosten oft auch fehlende passende Lösungen für Betroffene.

Hier setzt „Social Prescribing“ an: Es geht darum, Patient:innen zu unterstützen, die von Einsamkeit, Stress oder zu wenig sozialer Teilhabe betroffen sind. Das Ergebnis des Pilotprojekts: Bessere psychosoziale Gesundheit und eine entlastete Primärversorgung. Das Ziel ist, Social Prescribing langfristig im österreichischen Gesundheitssystem zu verankern.

Viele Menschen waren schon einmal in dieser Situation: Sie fühlen sich wochenlang erschöpft und niedergeschlagen, gehen zum Hausarzt, dort kann aber keine medizinische Ursache gefunden werden. Bei genauerem Zuhören wird dann oft klar, dass die Symptome viele unterschiedliche Gründe haben können: etwa finanzielle Belastungen und daraus resultierende Ängste sowie soziale Isolation und Einsamkeit.

Social Prescribing möchte hier ansetzen und mit passenden Angeboten unterstützen. Die Person würde an regionale Unterstützungsangebote weitergeleitet, um dann gemeinsam einen Plan zu erstellen und Termine zu vereinbaren. Bei finanziellen Belastungen und sozialer Isolation würden dann beispielsweise eine Schuldnerberatung sowie ein Kochkurs organisiert werden, um soziale Kontakte in der Nachbarschaft sowie das Gefühl für Selbstwirksamkeit wieder zu stärken.

Was ist Social Prescribing?

Social Prescribing bedeutet, dass Menschen mit Einsamkeit, Stress oder fehlenden sozialen Kontakten an passende Fachkräfte oder Angebote weitergeleitet werden, die ihnen helfen können, mehr Unterstützung und Gemeinschaft zu finden. Diese Fachkräfte führen Gespräche mit Betroffenen und klären ihre Bedürfnisse. Dann begleiten sie Patient:innen bei den nächsten Handlungsschritten, etwa Terminvereinbarungen und erste Treffen.

Vorbild Großbritannien: Psychische Gesundheit schon bei der Primärversorgung

Der Ansatz von Social Prescribing stammt aus Großbritannien. Dort ist psychosoziale Gesundheit bereits in der Primärversorgung bei Hausärzten verankert. Auch in Frankreich, Belgien, Kanada und Irland gibt es Angebote, die Patient:innen bei Bedarf an soziale und kulturelle Programme vermitteln. Seit 2021 fördert das Sozial- und Gesundheitsministerium in Österreich Pilotprojekte, die “Social Prescribing” in die Primärversorgung integrieren wollen. Die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) begleitet das Projekt mit Schulungsangeboten, stellt Materialien bereit und organisiert Vernetzungstreffen.

Sarah Hammerschmid

18. Februar 2026

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