Großes Potenzial in der Beschäftigung von Älteren
„Die Erhöhung des Pensionsantrittsalters ist unvermeidbar“, „Das Pensionssystem ist zu teuer“ – solche Zitate hört man seit Jahrzehnten ständig und in letzter Zeit noch häufiger. Tatsache ist allerdings: Die Finanzierung des Pensionssystems ist durch mehrere Reformen gesichert.

Der Arbeitsmarkt, aus dem die Gelder für die Pensionen umgelegt werden, weist jedoch eine große Lücke auf: In vielen Betrieben werden aktuell noch keine oder wenige Ältere (60- bis 64-Jährige) beschäftigt.
Die Reformen des Pensionssystems
Österreich hat seine Hausaufgaben zur Bewältigung der demografischen Herausforderung gemacht. Die wichtigsten Reformmaßnahmen sind die Pensionsharmonisierung, durch die mit dem Pensionskonto ein gleiches und einheitliches Pensionsrecht für alle Berufsgruppen unter Einbeziehung der Beamten geschaffen wurde. Vor allem durch die Verminderung der Pensionsausgaben für Beamte kann die Finanzierung langfristig stabil gehalten werden. Weiters wirken auch die Anhebung des Frauenpensionsalters und die Reformen im Bereich der Invalidität (Halbierung der Zugänge!) massiv kostendämpfend.
Faktisches vs. gesetzliches Pensionsantrittsalter
Wesentlich ist in der Debatte um das Pensionsantrittsalter folgender Grundgedanke: Menschen sollen vermehrt einen Zugang zum Arbeitsmarkt und gute Erwerbschancen mit einem guten Einkommen haben. Und das gilt in besonders hohem Maß für ältere Arbeitnehmer:innen, für die das öfters nicht zutrifft. Dabei ist nicht das gesetzliche Pensionsantrittsalter interessant, sondern das faktische (wann Personen wirklich in Pension gehen), und in diesem Aspekt ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten.
Das durchschnittliche Pensionsantrittsalter ist seit 2000 bei den Männern von 58,5 auf 62,4 Jahre (also um 3,9 Jahre) und bei den Frauen von 56,8 auf 60,4 (um 3,6 Jahre) gestiegen. Allein in den letzten 10 Jahren betrug der Anstieg sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen mehr als 2½ Jahre. Damit wird auch hier ein wichtiger Beitrag zur langfristigen Pensionsfinanzierung geleistet.
Beschäftigtenquote und Älterenquote
Ein aussagekräftiger Indikator für die „Beschäftigungs-Sättigung“ einer Bevölkerungsschicht (Makro-Ebene) ist die Beschäftigungsquote nach Altersgruppen, die sich aus den Populationszahlen berechnet. Sie gibt an, wie viel Prozent einer Altersschicht in Beschäftigungsverhältnissen stehen.

In der oberen Grafik 2 sind österreichische Wirtschaftsklassen (Branchen) aufgezählt. Aufgeteilt nach Männern und Frauen ist in den tiefroten Balken abgebildet, wie viele ältere Beschäftigte aktuell in den Branchen arbeiten. Die hellroten Balken bilden das sogenannte „Potenzial“ ab, also die Arbeitsstruktur der 59-Jährigen auf die 60-bis 64-Jährigen umgelegt minus der aktuellen älteren Belegschaft in der Branche.
Bei den Frauen ist das Potenzial im Schnitt am höchsten, da die meisten Frauen in dem Alter im Vergleich zu 59-Jährigen schon in Pension oder in Arbeitslosigkeit sind. Aber auch bei den Männern gibt es viele Branchen, in denen die Beschäftigungsquote der 59- und 60+-Jährigen sehr weit auseinanderliegen, zum Beispiel in der Warenherstellung oder auch in der öffentlichen Verwaltung.
Stanislaus Stadlmann, Wolfgang Panhölzl
26. November 2025
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