Immer funktionieren müssen? Mehrfach­verantwortung und Erschöpfung im Leben von Frauen

Als die Sozialforscherin Käthe Leichter 1925 das neugegründete Frauenreferat in der Arbeiterkammer Wien übernahm, legte sie den Grundstein für eine arbeitssoziologische Frauenforschung, die bis heute relevant bleibt.

Dazu gehört, die beforschten Frauen – auch politisch – zu ermächtigen. Die heutige Abteilung Frauen und Gleichstellungspolitik hat anlässlich des 100-jährigen Jubiläums den Zugang von Käthe Leichter, den wir als „aufsuchende Interessenpolitik“ bezeichnen, in die Gegenwart geholt.

Auf den Spuren von Käthe Leichter: aufsuchende Interessenpolitik

Käthe Leichters Zugangsweisen haben wir methodisch in Form von „dialogischen Gruppendiskussionen“ ins Heute übertragen. Insgesamt wurden 10 Gesprächsrunden in unterschiedlichen beruflichen und lebensweltlichen Communitys organisiert. Unser Anliegen war, einen offenen, vertrauensvollen Raum zu schaffen, in dem Frauen über Herausforderungen im Hinblick auf bezahlte und unbezahlte Arbeit sprechen konnten. Dabei erhielten die Anliegen der Frauen Priorität – sie konnten Schwerpunkte und Verlauf der Diskussion selbst bestimmen. Zugleich wollten wir mit Frauen ins Gespräch kommen, die von politischen und betrieblichen Repräsentationsstrukturen der Arbeitnehmer:innen-Bewegung weniger gut erreicht werden.

Für das Gelingen der Gesprächsrunden waren Vertrauenspersonen aus dem jeweiligen Arbeits- und Lebensumfeld (z. B. Betriebsrät:innen, Vereinsobfrauen) von besonderer Bedeutung. Sie wurden in die Vorbereitung der Gesprächsrunden einbezogen und trugen dazu bei, dass eine vertrauensvolle Atmosphäre hergestellt werden konnte, in welcher auch sehr persönliche Geschichten geteilt wurden. Die Zusicherung der Anonymität war dabei ebenso zentral.

Bei der Analyse der Gesprächsinhalte fokussierten wir auf kollektiv geteilte Erfahrungsmuster, die sich über unterschiedliche Arbeits- und Lebensrealitäten von Frauen aufspannen und diese prägen. Die Ergebnisse haben wir künstlerisch zusammen mit Valerie Bruckbög aufgearbeitet und in Form von Comics übersetzt.

Carina Altreiter, Vera Glassner, Doreen Blake

24. November 2025

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