Fabriksbesetzung in Italien:

Entlassene Arbeiter:innen organisieren sich als Genossenschaft und wollen eigenen Betrieb aufbauen.

Längster Arbeitskampf in Italien’s Geschichte.

Im Sommer 2021 wurde die Autoteile-Fabrik GKN in der Nähe der italienischen Stadt Florenz geschlossen, über 400 Arbeiter:innen verloren ihren Job. Seither besetzt ein Teil von ihnen das Gebäude bis jetzt – also über vier Jahre lang. Ihr Ziel: Sie wollen Solarpaneele und Elektro-Lastenräder herstellen und damit die Fabrik ökologisch umbauen. Als Genossenschaft führen sie den längsten Arbeiterkampf in Italiens Geschichte und zeigen: Selbst in einer globalisierten Welt können sich Arbeiter:innen bei Massenkündigungen wehren und etwas bewirken. Mithilfe eines Crowdfundings wollen sie ihr Investitionsziel erreichen. 

Über 400 Arbeiter:innen der italienischen Autofabrik wurden einfach per Mail gekündigt

Am 9. Juli 2021 bekommen die 422 Arbeiter:innen des GKN-Werks in Campi Bisenzio bei Florenz eine E-Mail. Der Inhalt: Ein Kündigungsschreiben. Zwei Monate später stellte ein Arbeitsgericht in Florenz fest, dass diese Kündigungen unrechtmäßig waren, weil die Informationspflicht gegenüber den Gewerkschaften nicht eingehalten wurde – sprich, die Gewerkschaften wurden nicht ausreichend über die Entlassungen informiert und hätten auch einbezogen werden müssen. Seither besetzt ein Teil der Arbeiter:innen die Fabrik, in der Autoteile produziert wurden. Und das trotz unbezahlter Löhne – einige haben Nebenjobs oder schlagen sich mit Arbeitslosengeld oder Erspartem durch.

Die ewige Betriebsversammlung: Vier Jahre permanente Besetzung

In einer Art permanenten Betriebsversammlung wechseln sich die Arbeiter:innen der GKN-Fabrik im Acht-Stunden-Takt ab. Unter dem Namen “Collettivo di Fabbrica” kämpfen sie um die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze und den klimafreundlichen Umbau der Fabrik. Ihr Motto „Insorgiamo” (Erheben wir uns!) wurzelt in der italienischen Partisanenbewegung, die gegen den Faschismus kämpfte.

“Das (die Fabrik) ist unsere Heimat. Von hier gehen wir nicht weg. Und von hier verschwindet keine einzige Schraube.” – Dario Salvetti, Sprecher des Kollektivs.

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