Baut Berufsbildung aus!

Berufsbildende Schulen zählen zum Rückgrat der österreichischen Fachkräfteausbildung. In den bundesweit mehr als 700 berufsbildenden mittleren und höheren Schulen lernen derzeit jene jungen Menschen, die bald als Expert:innen in Technik, IT, Wirtschaft oder Sozial- und Dienstleistungsberufen das Land mit am Laufen halten werden.

Doch während die Zahl der Schülerinnen und Schüler an berufsbildenden Schulen künftig steigen wird, bleibt der geplante Aus- und Neubau dieser Schulen hinter dem Bedarf zurück.

Steigende Relevanz berufsbildender Schulen

Die Berufsbildung hat in Österreich tiefe Wurzeln, die bis in die Tradition der Zünfte zurückreichen. Spätestens in den 1970er Jahren aber wurden berufsbildende mittlere und höhere Schulen (BMHS) zu einer tragenden Säule des Bildungssystems. Mit dem damaligen „Zielquotenprogramm“ unter Kreisky wurde der Bau von berufsbildenden Schulen forciert, was fortan insbesondere Kindern aus Arbeiterfamilien und nicht-akademischen Haushalten den Weg in qualifizierte Berufe und an die Universitäten eröffnete. Die Investitionen von damals rentieren sich bis heute – in den letzten 50 Jahren hat sich die Zahl der Schüler:innen an BMHS mehr als verdreifacht. Heute besuchen rund 182.000 Jugendliche eine berufsbildende mittlere oder höhere Schule, mehr als doppelt so viele wie an einer AHS-Oberstufe. Gerade höhere berufsbildende Schulen, wie z. B. HTL, HAK oder HLW, verbinden Allgemeinbildung mit Berufsausbildung und schließen mit der Studienberechtigung ab. Seit 1990 legen jährlich mehr Schülerinnen und Schüler eine Reife- und Diplomprüfung an einer BHS ab als an einer AHS.

Grafik: Reife- und Diplomprüfungen  © A&W Blog

Alte Konfliktlinien zwischen Berufsbildung und Akademikerquote

Die Bildungsexpansion der letzten Jahrzehnte ist also vor allem eine Erfolgsgeschichte der Berufsbildung und nicht der Gymnasien. Die Einschätzung dieser Entwicklung ist aber manchmal widersprüchlich. So kritisiert die OECD in ihren Berichten immer wieder die im Ländervergleich niedrigere Akademiker:innenquote in Österreich, lobt dann aber wenige Seiten später das österreichische Modell der Berufsbildung. Ein zu starrer Fokus auf die Akademiker:innenquote greift jedenfalls zu kurz – sie misst Bildung ausschließlich an formalen Hochschulabschlüssen und sagt wenig über das tatsächliche Qualifikationsniveau einer Gesellschaft aus. Österreich bildet seit Jahrzehnten hochqualifizierte Fachkräfte aus, nur eben nicht ausschließlich an Universitäten und Fachhochschulen.

Bildungsaufstiege vor allem über berufsbildende Schiene

Zudem wird in den Debatten oft übersehen, welche wichtige Rolle berufsbildende Schulen für soziale Aufstiege gehabt haben und nach wie vor haben. Gerade berufsbildende höhere Schulen sind aufstiegsorientiert, viele Absolvent:innen sind die Ersten in ihrer Familie mit einer Matura. Der Soziologe Johann Bacher hat erst unlängst nachgewiesen, dass zwar der Einfluss des elterlichen Bildungshintergrunds auf die Chance, selbst eine Matura zu absolvieren, seit Mitte der 1990er Jahre zugenommen hat, dass aber berufsbildende höhere Schulen damals wie heute eine kompensatorische Funktion erfüllen „und die Abhängigkeit des Besuchs einer maturaführenden Schule von dem Wohnort, der sozialen Herkunft und dem Geschlecht abschwächten“. Gleichzeitig zeigte die AK-Schulkostenstudie aber auch, dass die Schulkosten in den berufsbildenden Schulen am höchsten liegen – allein für laufende Kosten unterm Schuljahr geben Eltern im Schnitt rund 1.200 Euro pro Jahr aus, wobei vor allem digitale Geräte sowie fachspezifisches Schulmaterial (z. B. Schutzkleidung, Werkzeuge, Fachsoftware oder Arbeitsbücher) teure Anschaffungen für den Schulbesuch sind.

Daniel Schönherr

14. November 2025

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